Einleitung
Du bist selbstständig, dein Geschäft läuft, und irgendwann taucht die Frage auf: Sollte ich eine GmbH gründen? Oder reicht mein Einzelunternehmen noch?
Die Antwort, die du in den meisten Ratgebern findest, lautet: „Das kommt drauf an.“ Stimmt. Aber damit kannst du nichts anfangen.
Deshalb machen wir es hier anders. Wir vergleichen beide Rechtsformen an den Punkten, die für dich als Unternehmer wirklich zählen: Steuerlast, Haftung, Kosten, Aufwand und Außenwirkung. Mit konkreten Zahlen statt Paragraphenverweisen. Und am Ende weißt du, ob der Wechsel für dich heute Sinn macht oder ob du besser noch wartest.
Was ist ein Einzelunternehmen?
Kurz gesagt: Du bist dein Unternehmen. Kein Gesellschaftsvertrag, keine Eintragung im Handelsregister (es sei denn, du bist eingetragener Kaufmann), kein Mindestkapital. Du meldest ein Gewerbe an oder lässt dich als Freiberufler beim Finanzamt registrieren und legst los.
Der Gewinn aus deinem Einzelunternehmen ist dein Einkommen. Du versteuerst ihn über deine persönliche Einkommensteuererklärung. Dazu kommt Gewerbesteuer, falls du gewerblich tätig bist (Freiberufler sind davon befreit). Und du haftest mit deinem gesamten Privatvermögen. Haus, Auto, Sparkonto – alles.
Vorteile:
- Kein Gründungsaufwand, kein Notar, kein Mindestkapital
- Einfache Buchführung (EÜR statt Bilanz, solange du unter den Grenzen bleibst)
- Gewinne stehen dir sofort zur freien Verfügung, keine Gewinnausschüttung nötig
- Geringe laufende Kosten (kein Handelsregistereintrag, keine Offenlegungspflichten)
Nachteile:
- Unbeschränkte persönliche Haftung mit dem gesamten Privatvermögen
- Hohe Steuerbelastung bei wachsendem Gewinn (Spitzensteuersatz 42 %, ab 277.826 Euro: 45 %)
- Gewerbesteuer wird zwar auf die Einkommensteuer angerechnet, aber nicht immer vollständig
- Begrenzte Möglichkeiten, Gewinne im Unternehmen zu belassen und steuerlich günstig zu reinvestieren
Was ist eine GmbH?
Eine GmbH ist eine eigenständige juristische Person. Sie hat ein eigenes Vermögen, eigene Schulden und ein eigenes Steuerleben. Du bist Gesellschafter und in der Regel auch Geschäftsführer, aber du bist nicht die GmbH.
Die Gründung kostet Geld: 25.000 Euro Stammkapital (davon mindestens 12.500 Euro bei Gründung einzuzahlen), dazu Notarkosten, Handelsregistergebühren und eventuell Beratungskosten. Insgesamt landest du bei einer Standardgründung zwischen 1.000 und 2.500 Euro an Nebenkosten, je nachdem, wie individuell dein Gesellschaftsvertrag ausfällt.
Die GmbH zahlt auf ihren Gewinn Körperschaftsteuer (15 %), den Solidaritätszuschlag auf die Körperschaftsteuer (0,825 %) und Gewerbesteuer (abhängig vom Hebesatz deiner Gemeinde). In Bensheim liegt der Gewerbesteuerhebesatz aktuell bei 380 %, was einer effektiven Gewerbesteuerbelastung von rund 13,3 % entspricht. Zusammen ergibt das eine Gesamtsteuerbelastung auf Unternehmensebene von rund 29,1 %.
Aber: Das Geld liegt dann in der GmbH. Wenn du es privat haben willst, musst du es als Gehalt (lohnsteuerpflichtig) oder als Gewinnausschüttung (Kapitalertragsteuer 25 % plus Soli) entnehmen. Und genau hier wird die Rechnung spannend.
Vorteile:
- Haftungsbeschränkung auf das Gesellschaftsvermögen (dein Privatvermögen bleibt geschützt)
- Niedrigere Steuerlast auf einbehaltene Gewinne (ca. 29-30 % statt bis zu 45 % Einkommensteuer)
- Professionelle Außenwirkung (gerade bei B2B-Kunden und Investoren)
- Mehr Gestaltungsmöglichkeiten bei Vergütung, Altersvorsorge und Gewinnverwendung
- Möglichkeit, Gesellschafter aufzunehmen oder Anteile zu verkaufen
Nachteile:
- Gründungskosten und laufende Verwaltungskosten (Bilanzierungspflicht, Offenlegung, Steuerberatung)
- Doppelbesteuerung bei Gewinnentnahme (Körperschaftsteuer auf Unternehmensebene plus Kapitalertragsteuer bei Ausschüttung)
- Buchführungspflicht ab dem ersten Euro (doppelte Buchführung, Jahresabschluss mit Bilanz)
- Strengere formale Anforderungen (Gesellschafterversammlungen, Protokollpflichten, Handelsregister)
- Geschäftsführergehalt muss angemessen sein (das Finanzamt prüft das)
Der steuerliche Vergleich: Ab wann lohnt sich die GmbH?
Jetzt wird es konkret. Wir rechnen mit einem Beispiel, das für viele Selbstständige realistisch ist.
Annahmen:
- Gewerbliche Tätigkeit (kein Freiberufler)
- Ledig, keine Kirchensteuer
- Gewerbesteuerhebesatz 380 % (Bensheim)
- Keine weiteren Einkünfte
- Bei der GmbH: Geschäftsführergehalt 60.000 Euro, Rest bleibt in der GmbH oder wird ausgeschüttet
Szenario 1: 80.000 Euro Gewinn
Einzelunternehmen:
- Einkommensteuer (inkl. Soli): ca. 20.800 Euro
- Gewerbesteuer: ca. 4.100 Euro (nach Anrechnung auf ESt)
- Effektive Gesamtbelastung: ca. 24.900 Euro
- Netto verfügbar: ca. 55.100 Euro
GmbH (60.000 Euro Gehalt, 20.000 Euro verbleiben in GmbH):
- Lohnsteuer auf 60.000 Euro Gehalt: ca. 14.500 Euro (inkl. Soli)
- Körperschaftsteuer + GewSt auf 20.000 Euro (nach Gehalt): ca. 5.820 Euro
- Netto verfügbar (Gehalt nach Steuer): ca. 45.500 Euro
- In der GmbH verbleiben: ca. 14.180 Euro
Bei 80.000 Euro Gewinn ist der Unterschied gering. Wenn du das gesamte Geld privat brauchst, bist du im Einzelunternehmen sogar leicht besser dran, weil die Doppelbesteuerung bei der GmbH zuschlägt. Die GmbH lohnt sich hier nur, wenn du bewusst Kapital im Unternehmen aufbauen willst.
Szenario 2: 150.000 Euro Gewinn
Einzelunternehmen:
- Einkommensteuer (inkl. Soli): ca. 48.500 Euro
- Gewerbesteuer (nach Anrechnung): ca. 7.200 Euro
- Effektive Gesamtbelastung: ca. 55.700 Euro
- Netto verfügbar: ca. 94.300 Euro
GmbH (80.000 Euro Gehalt, 70.000 Euro verbleiben in GmbH):
- Lohnsteuer auf 80.000 Euro Gehalt: ca. 22.200 Euro (inkl. Soli)
- Körperschaftsteuer + GewSt auf 70.000 Euro: ca. 20.370 Euro
- Netto verfügbar (Gehalt nach Steuer): ca. 57.800 Euro
- In der GmbH verbleiben: ca. 49.630 Euro
Hier wird der Hebel sichtbar. Die GmbH spart auf Unternehmensebene deutlich Steuern. Allerdings: Wenn du die 49.630 Euro aus der GmbH ausschüttest, fallen nochmal ca. 13.100 Euro Kapitalertragsteuer an. Trotzdem bleibt unter dem Strich ein Vorteil von rund 6.000 bis 8.000 Euro pro Jahr, wenn du nicht alles sofort entnimmst.
Szenario 3: 250.000 Euro Gewinn
Hier ist die Sache klar. Im Einzelunternehmen zahlst du auf den oberen Teil deines Gewinns 42 % Einkommensteuer plus Soli. In der GmbH liegt die Belastung auf thesaurierte Gewinne bei rund 29 %. Der jährliche Steuervorteil kann bei diesem Gewinnniveau 15.000 Euro und mehr betragen, selbst wenn du einen Teil ausschüttest.
Die Faustregel
Ab einem nachhaltigen Jahresgewinn von ca. 60.000 bis 80.000 Euro lohnt es sich, die GmbH-Option ernsthaft durchzurechnen. Der tatsächliche Kipppunkt hängt von deiner persönlichen Situation ab: Wie viel Geld brauchst du privat? Hast du weitere Einkünfte? Wie hoch ist der Gewerbesteuerhebesatz an deinem Standort? Planst du, Gewinne zu reinvestieren?
Pauschale Aussagen wie „Ab 100.000 Euro Umsatz lohnt sich die GmbH“ sind Unsinn, weil Umsatz nicht gleich Gewinn ist. Die relevante Größe ist immer dein Gewinn nach Betriebsausgaben.
Haftung: Der Unterschied, den man nicht in Euro messen kann
Steuern sind wichtig. Aber für viele Unternehmer ist die Haftungsfrage der eigentliche Grund für den Wechsel.
Im Einzelunternehmen haftest du unbeschränkt und persönlich. Wenn dein Geschäft schiefgeht, ein Kunde auf Schadensersatz klagt oder eine Forderung nicht bedient werden kann, geht es an dein Privatvermögen. Dein Erspartes, dein Auto, im schlimmsten Fall dein Eigenheim.
In der GmbH ist die Haftung auf das Gesellschaftsvermögen begrenzt. Dein Privatvermögen bleibt grundsätzlich unangetastet. Es gibt Ausnahmen (persönliche Bürgschaften, Durchgriffshaftung bei grober Pflichtverletzung, Insolvenzverschleppung), aber im Normalfall bist du geschützt.
Wenn du in einer Branche arbeitest, in der Haftungsrisiken real sind (z.B. Beratung, Bau, Handel mit größeren Summen), kann die Haftungsbegrenzung allein den Wechsel rechtfertigen, unabhängig von der Steuerersparnis.
Aufwand und laufende Kosten: Was die GmbH mehr kostet
Die GmbH bringt Pflichten mit, die das Einzelunternehmen nicht kennt. Das solltest du einkalkulieren:
Laufende Mehrkosten der GmbH gegenüber dem Einzelunternehmen:
- Bilanzierung und Jahresabschluss: Je nach Größe ca. 2.000 bis 5.000 Euro pro Jahr mehr als eine EÜR
- Offenlegung beim Bundesanzeiger: ca. 50 bis 300 Euro pro Jahr
- IHK-Beitrag: oft etwas höher als beim Einzelunternehmen
- Gegebenenfalls höhere Steuerberatungskosten durch die Lohnabrechnung des GF-Gehalts
Insgesamt musst du mit ca. 2.500 bis 6.000 Euro an jährlichen Mehrkosten rechnen, je nachdem wie komplex dein Unternehmen ist. Das klingt erst mal viel. Aber wenn die Steuerersparnis bei 8.000 Euro oder mehr pro Jahr liegt, bleibt unter dem Strich trotzdem ein klarer Vorteil.
Die UG (haftungsbeschränkt): Die kleine Schwester der GmbH
Falls dich die 25.000 Euro Stammkapital abschrecken: Es gibt die Unternehmergesellschaft (UG), oft als „Mini-GmbH“ bezeichnet. Du kannst sie bereits mit 1 Euro Stammkapital gründen.
Steuerlich und haftungsrechtlich funktioniert die UG identisch zur GmbH. Der einzige Unterschied: Du musst jedes Jahr 25 % deines Jahresüberschusses in eine gesetzliche Rücklage einstellen, bis du 25.000 Euro erreicht hast. Danach kannst du die UG formlos in eine GmbH umwandeln.
Die UG ist ein sinnvoller Einstieg, wenn du die Haftungsbegrenzung sofort brauchst, aber das Stammkapital noch nicht aufbringen willst. Langfristig empfehlen wir in den meisten Fällen die „echte“ GmbH, weil die Außenwirkung einer UG bei manchen Geschäftspartnern und Banken als weniger solide wahrgenommen wird.
Sonderthema: Die Holding-Struktur
Wenn du schon eine GmbH hast oder gründen willst, lohnt sich ein Blick auf die Holdingstruktur. Das Prinzip: Du gründest eine zweite GmbH (die Holding), die Anteile an deiner operativen GmbH hält.
Warum? Weil Gewinnausschüttungen zwischen Kapitalgesellschaften zu 95 % steuerfrei sind. Statt 25 % Kapitalertragsteuer bei einer Ausschüttung an dich als Privatperson zahlst du auf der Holdingebene nur rund 1,5 % effektive Steuer auf die ausgeschütteten Gewinne.
Das Geld liegt dann in der Holding und kann von dort reinvestiert werden, in Immobilien, Wertpapiere, eine neue Geschäftsidee. Solange du es nicht privat entnimmst, sparst du erheblich Steuern.
Eine Holdingstruktur macht nicht für jeden Sinn. Aber wenn du planst, Gewinne langfristig aufzubauen, zu reinvestieren oder dein Unternehmen irgendwann steuergünstig zu verkaufen, ist sie ein mächtiges Werkzeug.
Der Wechsel: Wie läuft eine Umwandlung ab?
Du bist Einzelunternehmer und hast dich entschieden: Die GmbH soll es sein. Dann gibt es grundsätzlich zwei Wege:
Weg 1: Neugründung einer GmbH und Einbringung
Du gründest eine neue GmbH und bringst dein Einzelunternehmen in diese GmbH ein. Steuerlich kann das unter bestimmten Voraussetzungen zu Buchwerten erfolgen (§ 20 UmwStG), sodass keine stillen Reserven aufgedeckt werden und keine Steuern anfallen. Das ist der häufigste Weg.
Weg 2: Ausgliederung nach dem Umwandlungsgesetz
Wenn du im Handelsregister eingetragen bist (e.K.), kannst du dein Unternehmen auch formwechselnd umwandeln. Das ist etwas aufwändiger, aber in bestimmten Fällen der sauberere Weg.
In beiden Fällen brauchst du einen Notar für den Gesellschaftsvertrag und die Handelsregistereintragung. Und du brauchst einen Steuerberater, der die Umwandlung so strukturiert, dass du keine unnötigen Steuern auslöst.
Typischer Zeitrahmen: Von der Entscheidung bis zur eingetragenen GmbH vergehen in der Regel 4 bis 8 Wochen, abhängig von der Auslastung des Notars und des Registergerichts.
Typische Kosten: Notarkosten (ca. 600 bis 1.500 Euro), Handelsregistergebühren (ca. 150 bis 300 Euro), steuerliche Beratung für die Umwandlung (individuell, je nach Komplexität). Insgesamt solltest du mit 2.000 bis 5.000 Euro rechnen.
Checkliste: GmbH oder Einzelunternehmen?
Das Einzelunternehmen passt besser, wenn:
- Dein Jahresgewinn unter 60.000 Euro liegt
- Du das gesamte Geld privat brauchst und nichts im Unternehmen lassen willst
- Dein Haftungsrisiko gering ist (z.B. als Freelancer ohne große Kundenverträge)
- Du den Verwaltungsaufwand so gering wie möglich halten willst
- Du gerade erst startest und dein Geschäftsmodell noch testest
Die GmbH passt besser, wenn:
- Dein Jahresgewinn nachhaltig über 60.000 bis 80.000 Euro liegt
- Du Gewinne im Unternehmen reinvestieren willst, statt alles zu entnehmen
- Du in einer Branche mit Haftungsrisiken arbeitest
- Du Mitarbeitende beschäftigst oder beschäftigen willst
- Du Partner aufnehmen oder Anteile verkaufen möchtest
- Dir eine professionelle Außenwirkung gegenüber Kunden und Banken wichtig ist
- Du langfristig Vermögen im Unternehmen aufbauen willst
Fazit
Die Frage „GmbH oder Einzelunternehmen?“ lässt sich nicht pauschal beantworten, aber sie lässt sich konkret durchrechnen. Und genau das solltest du tun, bevor du eine Entscheidung triffst.
Die Steuerersparnis allein ist selten der einzige Grund für den Wechsel. Haftung, Außenwirkung, Wachstumspläne und die Frage, wie du mit deinen Gewinnen umgehen willst, spielen genauso rein.
Was wir in der Praxis sehen: Viele Unternehmer warten zu lange. Sie zahlen zwei, drei Jahre Steuern auf Spitzensteuersatz-Niveau, obwohl die GmbH längst günstiger wäre. Nicht weil sie es nicht wollen, sondern weil niemand aktiv mit ihnen die Szenarien durchgerechnet hat.
Falls du gerade an dem Punkt bist: Lass uns draufschauen. Wir rechnen dir im Erstgespräch durch, was beide Varianten für deine konkrete Situation bedeuten. Kostenlos und unverbindlich.
Du willst wissen, ob sich die GmbH für dich lohnt?
Wir rechnen es dir durch. Im kostenfreien Erstgespräch schauen wir auf deinen Gewinn, deine Entnahmestrategie und deine Pläne. Danach weißt du, ob der Wechsel sich heute lohnt oder ob du besser noch wartest.


